Wirtschaftsinformatik / Very Large Business Applications

Dissertation

Thema

Föderierte ERP-Systeme auf Basis von Web Services

Kurzbeschreibung

Einer der Hauptgründe für die hohe Nachfrage von ERP-Systemen in den letzten beiden Jahrzehnten begründet sich aus der daten-zentrierten Sichtweise, die sowohl der internen Systemarchitektur, als auch der enthaltenen Anwendungsfunktionalität zu Grunde liegt. ERP-Systeme ermöglichen die Betrachtung eines Unternehmens als Ganzes. Das Hauptziel des Einsatzes eines ERP-Systems ist die Verbesserung der Kooperation zwischen den Abteilungen eines Unternehmens durch die Standardisierung unternehmensinterner Abläufe. Die berücksichtigten Abhängigkeiten zwischen den Informationen, die mit Hilfe eines idealen ERP-Systems verwaltet werden können, erstrecken über alle Bereiche des Unternehmens, so dass prinzipiell aus den Daten eines ERP-Systems Wissen über Gesamtzustand eines Unternehmens erzeugt werden kann.

Trotz der beobachtbaren zielgruppenspezifischen Ausrichtung von ERP-Systemen wird dieser Arbeit der Fakt zugrunde gelegt, dass derzeit kein ideales ERP-System existiert; weder für große Unternehmen noch für KMU. Neben verschiedenen Einflussfakturen, die gegen die praktische Umsetzung eines solchen theoretischen Modells sprechen, konzentriert sich diese Arbeit auf die Hypothese, dass konventionelle Geschäftsmodelle von ERP-Systemanbietern die Annäherung an ein solches ideales ERP-System maßgeblich negativ beeinflussen.

Bisherigen Ansätzen zur Integration von ERP-Systemen liegt eine strenge Unterscheidung zwischen Funktions- und Datenintegration zu Grunde. ERP-Systeme hingegen zielen auf die gleichzeitige Integration von Funktionen und Daten verschiedener Unternehmensbereiche ab. Die Funktionalität eines ERP-Systems ist dadurch abhängig vom jeweilig verwendeten Datenmodell.

Ziel der Arbeit ist die Beschreibung eines neuen Ansatzes für die Entwicklung und das Angebot von ERP-Systemen, der die bedarfsgerechte und parallele Nutzung von Funktionen beliebiger Anbieter ermöglicht. Die Arbeit schlägt eine kombinierte Standardisierung der Funktionen und Daten im betrieblichen Umfeld vor, die durch ein zentrales unternehmensübergreifendes Konsortium vorangetrieben wird. Dieser Standard stellt eine Zusammenfassung der Spezifikationen aller betrieblichen Kernfunktionen in Unternehmen unter Bezugnahme auf ein festgelegtes Datenmodell dar. Die Entscheidung zur Aufnahme eines bestimmten Funktionstyps oder Datentyps in den Standard soll dabei unabhängig von der Größe der Unternehmen sein, von denen ein Bedarf zur Berücksichtigung geäußert wird. Ergebnis eines solchen Standards ist die Spezifikation eines ERP-Systems, welches sich für den Einsatz in Unternehmen unterschiedlicher Größe eignet.

Die Arbeit beschreibt weiterhin verteilte ERP-Systemarchitektur, die es Anbietern von ERP-Systemen ermöglicht, die tatsächliche Implementierung der ERP-Systemspezifikation, die aus dem o. g. Standard resultiert, innerhalb einer Gemeinschaft durchzuführen und anzubieten. Ziel dieser Referenzarchitektur ist es, die technische Infrastruktur in Unternehmen zu vereinheitlichen und den gemeinschaftlichen Betrieb eines ERP-Systems zu ermöglichen, wobei jeder Anbieter in der Gemeinschaft den nutzenden Anwenderunternehmen einen beliebigen Teil des Gesamtsystems zur Verfügung stellen kann. In der Arbeit wird dieses Gesamtsystem als "Föderiertes ERP-System" bezeichnet. Die Anforderungen, die an ein solches Föderiertes ERP-System gestellt werden, konzentrieren sich auf die Vertrauenswürdigkeit des Gesamtsystems aus der Sicht der Anwender.

Disputation

10. Februar 2009 (Dr.-Ing.)